Produktionen

2022: DER BEFEHL

Nach einer Corona bedingten Pause ist man nun in St. Paul wieder im Theaterfieber. Zwar kann das primär geplante Stück „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt wegen personeller Ausfälle heuer nicht aufgeführt werden, aber wir bieten ein hochwertiges Ersatzprogramm. „Der Befehl“ vom österreichischen Dramatiker Fritz Hochwälder berührt auch die aktuelle politische Zeitgeschichte.

Der unbescholtene Wiener Oberinspektor Mittermayer erhält den Befehl, einen Mordfall aufzuklären, der sich vor rund 25 Jahren mitten im zweiten Weltkrieg in den Niederlanden ereignet hat. Der Auftrag zur Klärung ergeht von oberster diplomatischer Stelle, von einem gewissen Herrn de Goede, der gerade als Chef einer holländischen Wirtschaftsdelegation in Wien weilt. Es war dessen Tochter, die sich ebenso wie er selbst im Krieg einer Widerstandsbewegung gegen die Deutschen angeschlossen hat. Sie wurde von einem Wiener Polizisten entdeckt und auf der Flucht bewusstlos geschlagen, fiel ins Wasser und ertrank dabei in der Gracht. Die Kriegsvergangenheit holt im Laufe seiner Ermittlungen auch Oberinspektor Mittermayer ein. Denn auch er war zur besagten Zeit als Feldpolizist in Amsterdam, wo sich das Verbrechen zugetragen hat. Trotz des Befehls alles zu verdrängen und zu vergessen, kommt langsam Klarheit in die Geschichte, zumindest für den Oberinspektor.

2019: DER PFARRER VOM BLÜHENDEN WEINBERG

Nach dem Roman von FELIX TIMMERMANS Bühnenfassung von MARIO FLITSCH

Die tiefreligiöse Leontine verliebt sich in den ungläubigen Michael. Für den streng katholischen Vater und für den Onkel, der Pfarrer ist, ein klarer Fall: Eine Heirat ist unmöglich, solange Michael nicht gläubig wird. So bemüht sich der Pfarrer, in Michael den Glauben zu erwirken. Aber so sehr Michael es auch versucht, er kann den Glauben nicht annehmen. Die Liebe zwischen Michael und Leontine kann somit keine Zukunft haben. Leontine opfert dem lieben Gott ihre Liebe auf und hofft insgeheim dadurch auf ein Wunder, dass Michael doch noch gläubig wird. Es ist ein ergreifendes, berührendes und aufrührendes Spiel, das auf das Publikum seine je eigene Wirkung ausüben mag.

2017: DER TOTENTANZ

ALOIS JOHANNES LIPPL

Geschrieben vor fast hundert Jahren verliert es nichts an Aktualität. Leben und Tod beschäftigten die Menschen zu allen Zeiten, denn es ist gewiss: Einmal klopft er bei jedem an die Türe, ungewiss ist nur der Zeitpunkt:

„Seid wachsam, denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde“

So lesen wir es im Matthäusevangelium. Der Autor des Stücks „Totentanz“, Alois J. Lippl, schreibt in der Einleitung zu seinem Werk:

„Meinen lieben Fahrtengesellen, als ein ernsthaft Gedenken“

Wenn die Sonne sich hinter den Hügeln von Krems senkt und langsam der Tag sich neigt und sich in Finsternis kleidet, wird ER, von Gott gesandt, seines Amtes walten und die Menschen herausreißen aus ihren Alltagsgeschäften: DER TOD. „Er fragt nicht lang, ob g’sund, ob krank, ob jung und fein, wie Blut die Wang, ob welk die Lenden, siech und alt, er kennt kein Aufschub und kein Halt.“ Jeder, der seinen Weg durchquert, soll vor den Richterstuhl Gottes geführt werden.

2016: DAS APOSTELSPIEL

MAX MELL

Ein Bauernhof in der Einöd, auf dem der Großvater mit seiner Enkelin Magdalen lebt, wird von zwei unerwarteten „fremden Gästen“ in der Absicht aufgesucht, ihn zu plündern, niederzubrennen und ohne Barmherzigkeit das Leben der beiden ansässigen „Flämmchen“ auszulöschen. Magdalen, die sich jede freie Minute mit Herz und Hirn der Bibellektüre hingibt, meint nun in den beiden Gesellen die Apostel Petrus und Johannes zu erkennen. Als die beiden den kindlichen Irrglauben der Magdalen bemerken, schlüpfen sie – nicht zuletzt auf Geheiß des Großvaters – in die Rolle des Apostelpaars. Vor allem der Johannes genannte versucht der Magdalen Rede und Antwort zu stehen. Sie hat eine Menge zu fragen, denn manches ist ihr in dem „Büchl“ auch recht verborgen geblieben. Aus dem spaßigen Rollenspiel wird schließlich lebensbedrohlicher Ernst. Johannes ist im Zuge seiner Erklärungen, wie man in der Bibel lesen soll, und der Herausforderungen der Magdalen nicht nur mental sondern auch emotional auf das Äußerste gefordert. Während Petrus es satt hat, dies alles anzuhören, wird Johannes derart in den Bann gezogen, dass er sein Werk, das Böse als Apostel zu vollbringen, nicht mehr zu Ende führen kann.